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Untergewicht bei Senioren: So nehmen Sie wieder zu

Untergewicht und Mangelernährung stellen gerade im Alter ein Gesundheitsrisiko dar. Was die Ursachen sind, wie Sie wieder an Gewicht zulegen


Untergewichtige sind anfälliger für Infektionskrankheiten

Alle reden vom Abnehmen. Ratgeberbücher geben dazu unzählige Tipps, in Talkshows diskutieren Experten immer wieder über die Kosten falscher Ernährung für die Gesellschaft. Weit weniger Aufmerksamkeit erhalten dagegen Menschen, die zu wenige Kilos auf die Waage bringen.

Dabei ist Untergewicht kein seltenes Problem. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wiegen rund zwei Millionen Bundesbürger zu wenig. Gerade Senioren leiden häufig darunter, vor allem Frauen. Auch die Folgen sind nicht zu unterschätzen: Oft sind die Abwehrkräfte infolge der mit dem Untergewicht verbundenen Mangelernährung geschwächt, der Körper ist anfälliger für Infektionskrankheiten. Zudem kann es zu Kreislaufproblemen und zunehmenden Verwirrtheitszuständen kommen. Das Risiko von Stürzen steigt.


Bei Erwachsenen gilt in der Regel ein Body-Mass-Index (BMI) zwischen 18 und 25 als normal. Dieser Wert errechnet sich aus Körpergröße und Gewicht. Wer weniger wiegt, hat Untergewicht. Für Senioren gelten diese Grenzen allerdings nur bedingt. Oft verlangsamt sich der Stoffwechsel im Alter, zudem kann der Körper Nährstoffe schlechter verwerten. Bei Senioren gilt deshalb ein leichtes Übergewicht als gesund. „Ab einem Alter von 64 Jahren sollte der BMI-Wert idealerweise zwischen 24 und 29 liegen“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Christine Langer von der Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention.

Risikofaktoren: Appetitlosigkeit und Krankheiten

Für Untergewicht gibt es viele mögliche Ursachen. Zum Teil beruhen sie auf natürlichen Alterserscheinungen. Etwa, wenn der Stoffwechsel sich ändert und Nährstoffe, die für Aufbauprozesse im Körper wichtig sind, schlechter verarbeitet werden. Häufig lässt auch das Geschmacksempfinden im Alter nach. Die Betroffenen verspüren dann weniger Appetit und nehmen zu wenig zu sich.

Zudem können Krankheiten oder Operationen den Körper schwächen und so zu einer Mangelernährung führen. Schätzungen zufolge sind bis zu 50 Prozent der Krebspatienten unterernährt. Depressionen, Demenz, Verdauungsschwierigkeiten sowie Beschwerden beim Schlucken oder Kauen können ebenfalls dazu führen, dass Senioren zu wenig essen und an Gewicht verlieren.

Geschwächte Immunabwehr

Unabhängig von den Ursachen stellt starkes Untergewicht ein gesundheitliches Risiko dar. Chronische Unterversorgung schwächt das Immunsystem, macht den Körper anfälliger für Infektionskrankheiten, Wunden verheilen langsamer. Fehlt es an Nährstoffen, bauen die Betroffenen Muskelmasse und Knochensubstanz ab. Das Risiko gefährlicher Sturzverletzungen steigt. „Zudem kann es infolge von starkem Untergewicht zu Organstörungen kommen“, sagt Langer. Dazu gehört etwa eine beeinträchtigte Darmfunktion oder eine Herzschwäche.

Zunehmen: Erst Ursachen abklären

„Iss doch einfach etwas mehr.“ Diesen gutgemeinten Rat kriegen Untergewichtige häufig zu hören. So ist es aber meist nicht. Zunehmen ist ein langwieriger Prozess, bei dem man sich Zeit lassen sollte und der viel Geduld erfordert. Der Stoffwechsel muss sich erst langsam wieder an das Mehr an Nahrung gewöhnen. Patienten mit starkem Untergewicht sollten ihr Vorhaben deshalb mit einem Arzt absprechen, der den Prozess fachlich begleitet und gemeinsam mit den Betroffenen die Ursachen ergründet. Das ist besonders ratsam, wenn die Person zuvor schnell an Gewicht verloren hat. Unter Umständen kann eine Krankheit hinter dem Verlust an Körpermasse stecken, die zuerst behandelt werden muss.

Das wichtigste Ziel beim Zunehmen besteht darin, dem Körper mehr Nährstoffe und damit Energie zuzuführen. Ernährungsexpertin Christine Langer empfiehlt dazu frische Lebensmittel, vor allem viel Obst und Gemüse sowie Produkte aus kleinvermahlenem Vollkornmehl. Letztere enthalten viele Kohlenhydrate, die der Körper schnell in Energie umwandeln kann. Was konkret auf den Teller kommt, richtet sich nach den persönlichen Vorlieben des Betroffenen. Schließlich geht es darum, die Lust auf Essen wieder zu wecken.

Auch die Lebensumstände spielen bei der Behandlung eine Rolle. Wohnt die Person beispielsweise im Heim, bereitet sie ihr Essen in den meisten Fällen nicht selbst zu. Dann müssen die Zuständigen dafür sorgen, dass auf dem Speiseplan Gerichte stehen, die die obigen Kriterien erfüllen.

Gewohnheiten ändern

Die Maßnahmen beschränken sich nicht auf das Kochen. Schon ein schön gedeckter Tisch regt den Appetit an. Das Gleiche gilt für Essen in Gemeinschaft oder Bewegung. Einmal täglich Spazierengehen hält nicht nur fit, sondern macht auch hungrig.

Beim Zunehmen sind regelmäßige Kontrollen wichtig. Wiegen Sie sich deshalb einmal pro Woche und notieren Sie den Wert. Haben Sie an Gewicht zugelegt oder haben Sie trotz aller Bemühungen weiter abgenommen? In diesem Fall empfiehlt sich ein Termin für eine ärztliche Untersuchung.



Stephan Soutschek / www.senioren-ratgeber.de; 30.04.2010, aktualisiert am 03.02.2012
Bildnachweis: Thinkstock/Digital Vision

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